Teil 3: Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit

3–4 Minuten

Eine narzisstische Frau ist in ihrem Handeln stets von einer Motivation getrieben – sie lautet: Aufmerksamkeit.

Sie möchte stets im Zentrum aller Aufmerksamkeit stehen. Ebenso wie sie selbst stets im Zentrum ihrer Wahrnehmung steht.

Ein Narzisst braucht die Bestätigung seines Umfeldes wie andere die Luft zum Atmen und wird alles tun, um diese in jeder Lage zu bekommen. Da eine narzisstische Frau im Grunde ihres Seins keine Selbstliebe in sich trägt, wird sie alles was sie im Inneren vermisst von ihrer Umwelt einfordern.

Sie erwartet von allen, als die Person wahrgenommen zu werden, die sie gerne wäre. Um das zu erreichen, sucht und schafft sie ständig Situationen, in denen sie diese Bestätigung erhalten kann.

Sie wird es schaffen, in jeder Situation und jeder Kommunikation die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu ziehen.

Oft sucht sich die narzisstische Frau eine Domäne in ihrem Leben, in der sie besonders viel Bestätigung einfordert, weil sie ihrerseits viel Zeit und Energie in Selbige investiert. Das kann die Fixierung auf das eigene Aussehen sein oder ein Hobby, für das sie ständig Bestätigung haben möchte.

Da ein Narzisst dazu tendiert die eigenen Leistungen überhöht darzustellen, ist das auch hier der Fall. Eine narzisstische Frau, die sich zum Beispiel das Kochen als eigene Domäne ausgesucht hat, wird nie müde werden, ihr eigenes Können zu kommunizieren oder zu präsentieren.

Als Mutter kann sie diesen Bereich weiterhin für sich beanspruchen und wird gleichzeitig ein Häkchen unter „um die Familie kümmern“ setzen – was auch von der Umgebung als solches erst einmal widerspruchslos akzeptiert wird.

Jedoch ist ihre Fürsorge nur gespielt. Das Kochen wird vielmehr zu einem Machtinstrument, um Kontrolle auszuüben und Abhängigkeiten zu schaffen. Damit das über einen langen Zeitraum funktionieren kann, wird sie das tun, was scheinbar alle narzisstischen Eltern tun: Sie bringen ihren Kinder keine praktikablen Fähigkeiten bei.

Narzisstische Eltern wollen ihren Kindern nichts beibringen – erst recht nichts, das sie selbst gut können. Das wäre so, als würden sie sich ihre Konkurrenz ins eigene Haus holen.

Um Aufmerksamkeit generieren zu können und die eigene Machtposition aufrecht zu erhalten („außer mir kann das niemand hier“), ist es eben absolut notwendig, dass außer ihr niemand die gleichen Kompetenzen besitzt.

Sind die Kinder noch klein, steht vor allen Dingen die Abhängigkeit im Fokus. Die Kinder lernen hier schnell: Was ich zu Essen bekomme, ist entweder Strafe oder Belohnung. Eine narzisstische Mutter kreiert aus einer eigentlich selbstverständlichen Handlung ein Machtinstrument, um ihre Umwelt zu kontrollieren. Und, weil sie sich hier ein Monopol geschaffen hat: Sie garantiert sich Aufmerksamkeit in Form von Applaus und Bewunderung.

Das ist nur ein Teilaspekt der Machtpositionierung eines narzisstischen Elternteils: Im Alltag schafft die narzisstische Mutter permanent Situationen, die verdeutlichen sollen: Ich bin hier das Zentrum aller Aufmerksamkeit.

Für die narzisstische Mutter steht insbesondere die eigene Tochter in direkter Konkurrenz zu ihr. Sie wird ihr fehlendes Selbstwertgefühl auf diese projizieren und insbesondere in Phasen, in denen die Kinder Unabhängigkeit und Selbstständigkeit erreichen wollen, manipulieren und bewusst Steine in den Weg legen.

Dementsprechend ist besonders das Mutter-Tochter-Verhältnis gestört und geprägt von den Komplexen der narzisstischen Mutter. Auch wenn die Tochter erwachsen ist, wird sie in vielen Situationen erfahren müssen, dass der narzisstischen Mutter IMMER besondere Aufmerksamkeit zu Gute kommen muss.

Sei es in Situationen wie Hochzeiten oder Geburten: Die narzisstische Mutter hat stets eine besondere Rolle zu spielen, benötigt Sonderrechte und braucht ihre Aufmerksamkeit – ohne sie wäre schließlich auch nichts von alledem möglich. So ihre Annahme.

Die narzisstische Mutter braucht die Aufmerksamkeit. Ob sie ihren Kinder ihre Momente stiehlt oder gar Drama anzettelt, in dem sie Unfälle oder Krankheiten erfindet („Seht hier, ich bin ein Opfer, ich brauche Hilfe“) – sie kennt keine Grenzen.

Es ist deshalb unmöglich, die von der narzisstischen Mutter initiierten Krisen lösen zu wollen. Sie will die Krisen, die Probleme, das Drama, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Warum sollte sie darauf verzichten wollen?

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